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Nochmal ein kleiner Gruß an alle Monsterican Dreamers von Susi. :) From me to all our users! Thanks for your great support and nice words that keep us going on with that site!!!

Und hier hätten wir noch unseren OX... And here´s OX...

Und hier ist ein kleines Dankeschön an Amen, dafür dass er sich so schnell eine Begrüßung für unsere Homepage ausgedacht hat! Thanks a lot Mr.Amen! ;) This is just a little "Thank you" for Amen because of thinking that quick for an introduction for our homepage! Thanks a lot Mr.Amen!

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Story:

Nacht. Dunkelheit. Kein Stern am Himmel. Eine dichte Wolkenwand vor dem Mond. Eine Welt in schwarz. Eine unwirkliche Welt. Schemenhaft sind die Umrisse der Bäume zu erkennen. Ihre Zweige wirken wie grausame Klauen, die darauf lauern, ihr Opfer mit einer blitzschnellen Bewegung gefangen zu nehmen und nie wieder loszulassen. Eine seltsame Stille liegt über dem alten Friedhof. Unnatürlich. Grausam. Blick nach rechts, nach links. Nichts bewegt sich. Weiter vorne, eine Statue. Ein Engel mit weit ausgebreiteten Flügeln. Eine magische Anziehungskraft scheint von ihm auszugehen. Er weiß, dass er nicht weitergehen sollte. Eine unsichtbare Kraft benutzt ihn als Marionette. Er will stehen bleiben, doch er läuft weiter. Immer weiter. Der steinerne Engel kommt näher. In ihm wächst der Drang zu schreien. Doch er bleibt stumm. Er bewegt sich unaufhörlich auf die Statue zu. Ein Todesengel. Er kann spüren, wie ihm die Kälte in die Glieder fährt. Mit jedem Schritt mehr. Nur noch ein paar Meter. Kita bemerkt, wie sich sein Herzschlag beschleunigt. Er blickt auf die Inschrift, die die Statue zu ihren Füßen trägt. Was ihr seid, das waren wir. Was wir sind, das werdet ihr. Gleich steht er vor dem Engel. Das Gesicht kann er noch nicht erkennen. Er sträubt sich dagegen, weiter zu gehen. Den Todesboten anzublicken. Doch seine Beine gehorchen ihm nicht mehr. Verzweifelt blickt er nach hinten. Sucht nach Hilfe. Doch der moosbewachsene Kiesweg liegt verlassen da. Die Wolkenwand beginnt sich zu lichten. Der Mond breitet sein Licht über den Friedhof aus. Mit einem verzweifelten Stöhnen dreht er sich um. Ein Schritt. Die Wolken geben den Vollmond endgültig frei. Er will nicht hinsehen, doch sein Kopf dreht sich unwillkürlich nach oben. Zum Gesicht des Todesengels. Er kann die Augen nicht schließen. Er muß hinsehen. Ein markerschütternder Schrei zerreißt die Stille. Dunkelheit.

Als nach wenigen Sekunden das Licht anging, starrten alle Gäste im Kinosaal gebannt auf die Leinwand, auf der bereits der Abspann begonnen hatte. Der neue Horror-Schocker `Blutrote Bestie´ hatte sie sichtlich in ihren Bann gezogen. Als Kita merkte, wie tief er in seinen Sessel hinein gerutscht war, setzte er sich schnell aufrecht hin, bevor jemand auf ihn achtete. Durch die Lautsprecher tönte die unheimliche Filmmusik.

"Ganz nett, was?" Er warf einen Seitenblick auf seinen Begleiter. Amen hatte den Blick noch immer starr auf die Leinwand gerichtet. Seine Hände hielten die Stuhllehne so fest umschlossen, dass die Knöchel weiß hervortraten. Langsam drehte er sich zu seinem Freund.

"Ganz NETT?" Er schaute Kita mit großen Augen an. "Der war definitiv mehr als ganz nett! Ich hatte das Gefühl, als wäre ich die Hauptperson in dem Film."

"Zugegeben, er war recht gut gemacht", erwiderte Kita. Zu seinem Ärger stellte er fest, dass seine Stimme noch nicht ganz so fest klang, wie er das gerne gehabt hätte.

"Jetzt mach aber mal halblang!" ereiferte sich Amen. "Ich hatte zwischenzeitlich schon Befürchtungen, dass ich den letzten Rest meiner Kenntnisse aus dem Erste-Hilfe-Kurs zusammenkratzen muß. Falls du vor lauter Angst in Ohnmacht fällst und ich dich wiederbeleben muß." Herausfordernd grinste er seinen Freund an.

Der setzte ein angewidertes Gesicht auf. "Ein Mumienkuss - nein danke! Da hätte ich mir schon zweimal überlegt, ob ich ohnmächtig werden soll."

Amen streckte ihm die Zunge heraus. "Sollen wir gehen oder schauen wir uns den nächsten Film auch noch an?"

"Was kommt denn?"

Amen blätterte im Programmheft. "Hier...Mittwoch...in einer halben Stunde fängt der letzte Film für heute an. Irgendein alter Horrorklassiker."

Kita hob die Augenbrauen. "Also mein Bedarf an Horror, Blut und Grusel ist für heute gedeckt. Ich würde mich viel lieber noch gemütlich vor den Fernseher setzen und eine Runde Play Station mit dir spielen."

Amen seufzte. "Ja, ja...zur Stärkung deines Selbstwertgefühls! Du weißt ganz genau, dass ich keine Chance gegen dich habe!"

"Eben!" Kita zwinkerte seinem Freund zu und stand auf, um sich der nach draußen drängenden Masse anzuschließen. Amen trottete grinsend hinterher. Bevor er Kita die Genugtuung an der Play Station überließ, hatte er eine nette Idee für eine Abkürzung nach Hause. Direkt über den Zentralfriedhof!

Nach der stickigen Wärme, die in dem Kinosaal geherrscht hatte, war die Nachtluft angenehm kühl. Es schien sich ein Gewitter zusammen zu ziehen. Dunkle Wolken zogen über den Himmel und formierten sich zu einer dichten schwarzen Decke. Der Wind ließ die Blätter der Bäume rauschen. Vor dem großen Kinokomplex standen mehrere Grüppchen von Leuten, die auf den Beginn der Spätvorstellung warteten. Um Punkt Mitternacht begann der letzte Film - `You´ll die´. Amen und Kita schlenderten an der Hauptstrasse entlang, die trotz der späten Stunde noch reich befahren war. Nach ein paar hundert Metern bogen sie in eine schmale Nebenstrasse ein, die im Vergleich dazu wie ausgestorben wirkte.

"Die letzte Szene auf dem Friedhof war einsame Spitze!" begann Kita. "Es war so, als wäre man selbst mit dabei. Und der Hauptdarsteller! Besser hätte man die Rolle gar nicht besetzen können. Schade, dass man am Ende so im Ungewissen gelassen wird, was denn nun genau mit ihm passiert. Ich denke, die haben sich das für eine Fortsetzung aufgehoben, was meinst du? Wie lange sie wohl an dem Kostüm für die Bestie gearbeitet haben...das sah alles recht aufwendig aus. Und die Computeranimationen...das würde ich auch gerne mal ausprobieren. Was hältst du eigentlich von -"

"Halt mal die Luft an!" Amen musste sich zusammenreißen, um nicht in lautes Gelächter auszubrechen. Immer wenn Kita aufgeregt war, fing er an, ohne Punkt und Komma zu reden. Der Film schien ihn wirklich sehr beeindruckt zu haben. "Wir biegen heute ausnahmsweise mal rechts ab!"

"Rechts?" Kita schaute ihn verständnislos an. "Aber rechts geht es zum -" Er verzog das Gesicht.

"Zum Friedhof! Ganz genau!" beendete Amen den Satz.

"Was zum Geier sollen wir den auf dem Friedhof?"

"Och, nur mal nachsehen, ob hier nicht zufällig auch eine blutrote Bestie herum spaziert."

Kita hatte sich schnell wieder gefasst. "Wenn du glaubst, dass ich Angst habe, dann irrst du dich gewaltig. Ich nehme es locker mit so einer Bestie auf. Egal ob blutrot oder giftgrün." Abenteuerlustig blitzte er seinen Freund an.

"Schön, dann sind wir uns ja einig", gab Amen zurück. Doch plötzlich war ihm gar nicht mehr so wohl in seiner Haut.

Entschlossen stapfte Kita auf das schmiedeeiserne Tor des Zentralfriedhofs zu. Mit einem leisen Quietschen öffnete er es und hielt es seinem Freund auf. "Nur hereinspaziert, Monsieur!" Mit einer einladenden Handbewegung deutete er über den dunklen Friedhof.

"Na wenigstens besteht keine Ähnlichkeit mit dem Friedhof aus dem Film", murmelte Amen vor sich hin und schlüpfte durch das Tor. Als es zurück ins Schloß fiel, zuckte er zusammen. Vor den beiden erstreckte sich ein ganzes Meer von Grabsteinen in den verschiedensten Formen und Größen. Weder Kita, noch Amen verspürten auch nur die geringste Lust, im Dunkeln über einen Friedhof zu tappen, nachdem sie einen Horrorfilm gesehen hatten, bei dem ein halbes Dutzend Menschen auf einem eben solchen getötet worden war. Doch keiner der beiden hätte vor dem anderen zugeben wollen, dass ihm nicht ganz wohl bei der Sache war. "Wir stehen jetzt hier am Südtor", Kita war in einen Flüsterton verfallen. "Ich schlage vor, wir gehen bis zum Westtor, dann sind wir zumindest keinen kompletten Umweg gelaufen."

Amen nickte. "Einverstanden!" sagte er laut und erschrak fast vor seiner eigenen Stimme, die auf dem menschenleeren Friedhof ungewöhnlich hallte. "Einverstanden", wiederholte er noch einmal, diesmal allerdings ganz leise. Kaum waren sie ein paar Schritte gegangen, kam wieder Wind auf. Stärker diesmal. Er fegte das Laub über die akurat angelegten Steinwege, die an den einzelnen Grabreihen vorbei führten. Es sah fast aus, als wären die toten Seelen aus ihren Gräbern auferstanden und würden einen letzten Tanz aufführen.

"Na toll! Das trägt extrem zum allgemeinen Wohlbefinden bei!" murrte Kita. Amen war erleichtert, dass es seinem Freund nicht anders ging als ihm selbst. Warum hatte er bloß die dumme Idee gehabt, über den Friedhof zu gehen?

"Schau mal da vorne!" Kita versetzte seinem Freund einen unsanften Stoß in die Rippen. Amen blickte auf. Etwa zwanzig Meter vor ihnen kam eine unförmige Gestalt den Weg entlang gelaufen. Amen schnürte es die Kehle zu. Er zwang sich, tief durchzuatmen. Den Blick starr geradeaus gerichtet, fragte er: "Und was tun wir jetzt?"

"Was werden wir schon tun", gab Kita zurück. Auch er konnte das Unbehagen in seiner Stimme nicht verbergen.

"Ja?"

"Was ja?"

"Was wir nun tun, wollte ich wissen", zischte Amen.

Kita warf einen Seitenblick auf seinen Freund und runzelte die Stirn. "Ich sehe nur eine Möglichkeit. Weitergehen."

Amen nickte ergeben. "Genau das war es, was ich hören wollte!" brummte er. Mit zitternden Knien gingen sie weiter. Das vermummte Ding kam näher und näher. Ihre Schritte auf dem Steinweg schienen unnatürlich laut. Zu laut. Kita erkannte, dass ihr Gegenüber eine Art Kutte trug, die bis zum Boden reichte. Sein Herz begann schneller zu schlagen. Was, wenn da ein mörderischer Mönch über den Friedhof lief, der nur darauf wartete, dass seine Opfer sich in Sicherheit wiegten, um dann zuzuschlagen?! Oder wenn unter der Kutte etwas verborgen war, dass nichts Menschliches an sich hatte? In seiner Phantasie bauten sich die wildesten Trugbilder auf. Er wünschte sich wieder in den dunklen Kinosaal zurück, wo er sicher in seinem Sessel sitzen konnte. Wo sich die Bedrohung nur auf der Leinwand abspielte und nicht auf ihn richtete. Wo der Hauptdarsteller vor allem gewappnet war. Unwillkürlich hielt er den Atem an. Er hörte, wie Amen neben ihm zischend die Luft zwischen den Zähnen hervor stieß. Plötzlich hob die Gestalt, die nur noch drei, vier Meter von ihnen entfernt war, den Kopf. Kita blieb abrupt stehen. Sein Herz machte einen Sprung. Das war ganz sicher keine Bestie und schon gar kein Menschen-ermordender Mönch! Er grinste. Der Nachtwächter. Bei seinem Rundgang über den Friedhof. Er warf einen Blick zu Amen. Auch der hatte die gebückte Gestalt des alten Mannes erkannt. Der Alte blickte sie misstrauisch aus zusammen gekniffenen Augen an. "Es ist reichlich spät, um einen Grabbesuch zu machen", stellte er fest und musterte sie von oben bis unten.

"Wir nehmen nur eine kleine Abkürzung", gab Kita zurück. Er nickte dem Alten kurz zu und stapfte an ihm vorbei in die Dunkelheit davon. Amen rang sich ein schiefes Grinsen ab und folgte seinem Freund.

"Falls ich jemals wieder so eine bescheuerte Idee haben sollte -" begann Amen.

"- werde ich mich davor hüten, mitzumachen!" beendete Kita den Satz. "Weißt du was? Das nächste Mal lasse ich dich ganz allein über den Friedhof laufen."

Amen warf ihm einen skeptischen Seitenblick zu. "Ich meinte damit eigentlich mehr, dass du mich davon abhalten sollst."

"Und mir den ganzen Spaß verderben? Stell dir nur mal vor, wie du zitternd und bibbernd über den Friedhof rennst -" lachte Kita. Diesmal war es an Amen, seinem Freund einen Rippenstoß zu versetzen. "Von wegen zitternd und bibbernd. Dann hätte ich wenigstens nicht so ein Nervenbündel wie dich neben mir."

"Gib doch einfach zu, dass du froh bist, jetzt nicht allein zu sein!" konterte Kita.

"Wenn ich allein gewesen wäre, dann hätte ich so einen Vorschlag nie gemacht. Ich würde also auch nicht zur Geisterstunde über diesen Friedhof hier -"

Seine Worte wurden von dem einsetzenden Läuten der Kirchtumglocken unterbrochen, die wie aufs Stichwort erklangen und Mitternacht ankündigten.

"Soviel zur Geisterstunde", flüsterte Kita.

Vier, fünf, sechs. Mit jedem Schlag merkte Amen, wie sich auch sein Puls beschleunigte. Sieben. Immer schneller. Acht. Ein mulmiges Gefühl breitete sich in seiner Magengegend aus. Neun. Der Wind fegte unbeirrt die Blätter an seinen Füssen vorbei. Zehn. Amen schienen die Abstände zwischen den einzelnen Schlägen immer länger zu werden. Elf. Unwillkürlich war er stehen geblieben. Zwölf. Mitternacht. Geisterstunde. Das Herz schlug im bis zum Hals.

"Lass uns weitergehen!" wisperte Kita. Auch er spürte deutlich, wie ihn der zwölfte Schlag in seinen Bann gezogen hatte. Wären sie in einem Horrorfilm, dann würde jetzt etwas passieren. Er wagte nicht, sich umzudrehen. er wollte nur weg von diesem Ort voller toter Körper und eisiger Grabsteine. Er zog seine Jacke enger um sich. Trotzdem ließ wenige Augenblicke später ein Schauer die Härchen an seinen Armen zu Berge zu stehen. Die Kälte breitete sich in seinem ganzen Körper aus. Die Wolken hatten sich wieder in einer dichten Formation vor den Mond geschoben. Man konnte kaum die Hände vor Augen sehen. Warum hatte dieser verfluchte Friedhof denn keine Nachtbeleuchtung?! Von Sekunde zu Sekunde schien es düsterer zu werden. War war hier bloß los? Bald konnte Kita nicht einmal mehr die Umrisse der Grabsteine erkennen. Tiefschwarze Nacht tat sich vor ihm auf.

"Amen?" Er erschrak vor der Lautstärke seiner eigenen Stimme.

"Hier!" Kita fasste sich wieder. Er stand wenigstens nicht vollkommen allein in der unnatürlichen Schwärze. Jetzt erst fiel ihm auf, dass es im wahrsten Sinne des Wortes um sie herum totenstill war. Das Blätterrauschen der Bäume war verstummt. Der Wind musste ebenso plötzlich aufgehört haben, wie die alles verschlingende Dunkelheit eingesetzt hatte. Kita überlegte fieberhaft, was sie tun sollten. Da sie absolut nichts sehen konnten, war es ausgeschlossen, bis zum Westtor des Friedhofs zu finden. Nach dem Nachtwärter zu rufen, schien ihm auch sinnlos. Der saß mittlerweile sicherlich in seinem kleinen Pförtnerhäuschen neben dem Eingangstor. Die Luft wurde merklich kühler. Es fühlte sich an, als würden eisige Nebelschwaden Kitas Körper umfassen. Er spürte, dass etwas in der Luft lag. Unverheißungsvoll. Amen erging es nicht anders. Als ein leises Flüstern an sein Ohr drang, zuckte er zusammen. Er konnte nicht verstehen, was die Stimme gesagt hatte. Eine hohe, unmenschliche Stimme. Eindringlich, aber beherrscht.

"Hast du das grad eben gehört?" wisperte er in die Dunkelheit.

Kita nickte langsam.

"Kita?"

"Ja...ja, ich hab es gehört."

Das Flüstern wurde lauter. Doch die beiden konnten noch immer nicht verstehen, was gesagt wurde. Als würde die Stimme eine völlig unbekannte Sprache sprechen. Diesmal schien es jedoch nicht nur eine Stimme zu sein, die sprach, sondern mehrere. Kita drehte sich im Kreis, um herauszufinden, woher die unheimlichen Geräusche kamen. Hoffnungslos. Sie schienen von allen Seiten zu kommen. Lauter. Eindringlicher. Bedrohlicher. Die Stimmen hämmerten sich in ihre Köpfe. Ein ganzer Chor. Kita verspürte nur einen Wunsch. Weg hier. Aussichtslos. Immer lauter, immer unerbittlicher drang die fremde Sprache an ihre Ohren. Es wurde heller. Die tiefe Schwärze löste sich auf und wich dem Mondlicht. Kita schloß die Augen und atmete tief durch. Er merkte, wie ihm schwindlig wurde. Dennoch zwang er sich, die Augen zu öffnen. Sein Herz raste. Das konnte nicht sein! Wieder schloß er die Augen und hoffte inständig, dass alles nur ein böser Traum war und dass er gleich aufwachen würde. Unbewusst ballte er die Hände zu Fäusten. Er hielt die Luft an und schaute erneut auf. Kein Traum. Bittere Realität. Ihm wurde die Ironie dieser Aussage klar. Traum - Realität. Das hier konnte keine Realität sein! Vielleicht wurde er gerade wahnsinnig. Kita nahm eine schwache Bewegung neben sich wahr und drehte den Kopf. Amen stand gebeugt und starrte auf das Szenario, das sich ihnen bot.

"Du siehst das auch?" wisperte Kita kaum hörbar. Es war mehr eine Feststellung als eine Frage. Amen nickte schwach, ohne jedoch den Blick abzuwenden. Da stand er. Aus weißem Stein, an dem die Witterung über die Jahre hinweg ihre Spuren hinterlassen hatte. Das Gesicht kaum erkennbar. Plötzlich zuckten Lichtblitze über den Himmel. Die fremdartigen Stimmen verstummten. Eine eigenartige Stille lag über dem Friedhof. Der Nebel lichtete sich. Die Sicht wurde klarer. Immer klarer. Zuerst tat sich gar nichts. Sie hätten weglaufen können, doch sowohl Kita als auch Amen waren wie gelähmt. Und dann sahen sie die Gestalten. Gestalten? Geister? Körperlose Wesen schwebten über die Reihen der Grabsteine hinweg. Sie waren fast durchsichtig. Als wären sie aus Glas. Langsam, ganz langsam kamen sie näher und versammelten sich um den steinernen Engel. Noch immer war es still. Es sah fast aus, als würden diese Wesen beten. Sie bewegten sich wie in Trance. Derselbe Bewegungsablauf - immer wieder. Die Lichtblitze wurden heftiger. Die Stimmen setzten erneut ein. Die Gestalten hatten die Gesichter abgewandt. Amen wollte schreien. doch alles was aus seinem Mund kam, war ein kläglicher Jammerlaut. Zu leise, als das ihn jemand gehört hätte. Er konnte nicht weg sehen. Wie unter Zwang hatte er seine Augen auf die Szene vor sich geheftet. Die Wesen umringten nun eine einzelne Gestalt. Ebenfalls körperlos und nahezu durchsichtig. Kleiner als die anderen. Wie in Zeitlupe begann sich diese kleine Gestalt zu verwandeln. Die Durchsichtigkeit verschwand. Langsam konnte man einen Körper erkennen, immer menschlicher. Je mehr sich das Wesen seiner Menschengestalt näherte, desto kühler wurde es. Kita bemerkte, dass die Blumen, die auf dem Grabstein neben ihm standen, bereits von einer dünnen Eisschicht überzogen waren. Das Mondlicht spiegelte sich in den winzigen Eiskristallen. Als er wieder aufblickte, hatte sich das wesen inmitten der anderen in ein kleines Mädchen verwandelt. Barfuß, weißes Kleid. Er zuckte zusammen. Das Kind starrte ihm aus leeren Augenhöhlen entgegen. Mit einem Seufzen griff er sich an die Kehle. Luft! Er hatte das Gefühl, als würde ihm etwas den Hals zuschnüren. Der Friedhof war mittlerweile in ein gleißendes Licht getaucht. Gleißend, aber dennoch eiskalt. Panik! Weg hier! Nichts anderes konnte Kita mehr denken. Währenddessen legte sich das kleine Mädchen bereitwillig vor dem Todesengel auf den eisigen Boden. Die formlosen Gestalten bildeten einen großzügien Kreis um die Statue. Amen konnte sich nicht bewegen. Sein Körper gehorchte ihm nicht mehr. Kalter Schweiß lief ihm ins Gesicht. Er wollte schreien, wollte die Kleine dazu bringen, aufzustehen. Doch nichts geschah. Keiner seiner Muskeln schien ihm zu gehorchen. Er konnte nur still stehen. Machtlos. Hilflos. Ausgeliefert. Das letzte, was er bewusst wahrnahm, war das Herabsausen einer steinernen Axt.

Ein lauter Schrei riss Kita aus seiner Bewusstlosigkeit. Er riss die Augen auf. Um ihn herum war es so still, dass er seinen Herzschlag hören konnte. Unbeholfen setzte er sich auf. Wo war er? Die erkenntnis traf ihn wie ein Schlag. Der Zentralfriedhof! Der Todesengel! Die körperlosen Gestalten! Amen! Er blickte sich suchend um. Erleichtert stellte er fest, dass sein Freund ein paar Meter weiter auf dem harten Friedhofsweg saß.

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